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Die Salzquellen bei Pessin

»In und bei dem Dorf Pessin sollen vor alten Zeiten Salzquellen gewesen sein, die wieder aufzufinden man sich in neuerer Zeit vielfach bemüht hat, was aber nicht gelungen ist. Im Dorf selber geht die Sage, dass unter einem Haus, in dem ehemals ein Herr v. Murlach gewohnt haben soll, eine solche sei, die aber schon vor langen Jahren durch zwei eiserne Türen verschlossen wurde. Eine andre soll in dem Gehölz, die Lutsche genannt, gewesen und ebenfalls durch eine eiserne Tür verschlossen sein. Von dieser berichtete ein Herr v. K., er habe von seinem Vater gehört, daß als vor langer Zeit einmal Nachsuchungen danach angestellt wurden, ein Herr von K. auf den Kirchturm gestiegen sei, um diese aus der Ferne mit anzusehen, er wäre aber bald wieder heruntergekommen und habe gesagt, man hätte den rechten Ort verfehlt und solle ihn auch nun gewiss nicht finden. - Endlich soll in dem blachen Luch bei Pessin vor langen Jahren von einem Schäfer aus dem Dorf eine Salzquelle gefunden sein. Er hatte sich zu seinem Abendbrot Wasser von hier mitgenommen und es gekocht, am Morgen darauf aber lauter Salz im Topf gefunden. Seine Entdeckung teilte er dem Grundherrn mit, der ihm Stillschweigen gebot. Noch am gleichen Tag aber, sagt man, wurde der Schäfer erschlagen gefunden, seine Witwe jedoch hätte der Grundherr lebenslänglich erhalten. Nachher soll dann über der Stelle ein Haus gebaut worden sein.«

Felix Adalbert K. Kuhn (* 1812; † 1881) aus Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843

Legende vom Rother (Roter) Husar

»Es gibt eine Legende, wie es zum Namen „Rother“ - oder „Roter Husar“ gekommen sein soll: Dort, wo der „Rote Husar“ ist, befand sich früher ein großer Eichenwald. In diesen wurden die Schweine aus Pessin zur Eichelmast gebracht. Die Offiziere aus Rathenow, deren Garnison „Rote Husaren“ hieß. Zechten des öfteren in Pessin. Bei einem solchen Gelage soll es zwischen einem Schweinehirten und einem Husaren zu einer Wette gekommen sein, wer wohl zuerst in der damaligen Schweinesuhle im Vorwerk ankommt, der Schweinhirte mit seinen Schweinen oder der Husar zu Pferde. Die Schweinesuhle konnte damals nur über einen Sanddamm erreicht werden. Bevor es zur Ausführung der Wette kam, wurden die Schweine hungrig nach Pessin gebracht. Als dort das Startzeichen gegeben wurde, rannten die Schweine, weil sie der Hunger trieb so, dass der Reiter keine Chance hatte, vorbeizukommen. Er soll dabei sogar zu Tode gekommen sein, wie erzählt wurde.«

Kreil: Amtsbereich Friesack - Streifzüge durch Ländchen und Luch -, Geiger-Verlag (1996), Seite 138/139, ISBN 3-89570-131-9

Grafik von Eugen Gliege aus „Heimatsagen aus dem Havelland“

Die Herkunft derer von Bredow

»Der Teufel hat einmal Musterung auf der Erde gehalten, und alle die Edelleute, die nicht mehr gut tun wollten, in einen großen Sack gesteckt, den auf den Rücken getan und ist lustig damit zur Hölle geflogen. Wie er nun über der Stadt Friesack ist, so streift der Sack etwas hart an der Spitze des Kirchturms, so daß ein Loch hineinreißt und eine ganze Gesellschaft von Edelleuten, wohl ein Viertel der Bewohner des Sacks, ohne daß der Teufel es gemerkt hätte, herausfällt. Das sind aber die Herren von Bredow gewesen, die nun nicht wenig froh waren, den Krallen des Teufels für diesmal entkommen zu sein. Zum Andenken nannten sie die Stadt, wo der Sack das Loch bekommen und sie befreit hatte, Frie-Sack, und von hier haben sie sich dann über das ganze Havelland verbreitet, wo bekanntlich eine große Menge von Rittergütern in ihrem Besitz sind. Die Namen haben sie ihnen ebenfalls gegeben, und zwar meist nach der Richtung des Weges, den sie nahmen; der älteste der Brüder nämlich, der in Friesack blieb, sagte zum zweiten: "Ga beß (besser) hin", da nannte der den Ort, wo er sich niederließ, Beßhin, woraus nachher Pessin wurde; ein dritter ging von Friesack, das am Rand des mächtigen havelländischen Luchs liegt, landeinwärts, darum nannte er seine Ansiedlung "Land in" oder Landin; ein vierter ging denselben Weg entlang wie der zweite und baute Selbelang; ein fünfter ging rechts zu (rechts too) und baute Retzow, ein sechster nannte sein Dorf nach seinem eigenen Namen Bredow.«

Felix Adalbert K. Kuhn (* 1812; † 1881) aus Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843

Grafik- und Literatur-Nachweis:

  • Eugen Gliege: „Heimatsagen aus dem Havelland“, Selbst-Verlag 1999, ISBN 3-00021-544-1, [mehr]
  • Felix Adalbert K. Kuhn (* 1812; † 1881) aus Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843
  • Kreil: Amtsbereich Friesack - Streifzüge durch Ländchen und Luch -, Geiger-Verlag (1996), Seite 138/139, ISBN 3-89570-131-9